Dieser Überblick führt Sie von den ersten Entdeckungen des Blutkreislaufs bis zur modernen Praxis. William Harvey legte 1628 die Basis, und bald folgten Experimente mit intravenösen Gaben durch Wren und Boyle. Frühe Monographien in Deutschland dokumentierten erste Versuche am Menschen.
Die Technik durchlief viele Wandlungen: Tierblasen und Klistierspritzen waren unsicher und führten zu Zwischenfällen. Später brachte Charles-Gabriel Pravaz 1853 eine kalibrierte Metallspritze, die präzisere Dosierung erlaubte. Carl Ludwig Schleich etablierte 1892 subkutane Injektionen für Lokalanästhesie.
Um 1900 experimentierten Chirurgen mit Paraffininjektionen zur Gewebeauffüllung; Komplikationen führten zu neuen Materialien. Heute umfasst die moderne infusion verschiedene Lösungen und Zugangswege. Die Gabe von Blutbestandteilen nennt man transfusion.
Dieses Kapitel erklärt zentrale Begriffe, zeigt Meilensteine und ordnet die historische anwendung ein. So erkennen Sie, welcher teil der Entwicklung maßgeblich zur Patientensicherheit beitrug.
Wesentliche Erkenntnisse
- Frühe Experimente nach Harveys Entdeckung legten den Grundstein.
- Unsichere Instrumente führten zuerst zu Rückschlägen.
- Technische Innovationen wie Pravaz’ Spritze verbesserten die Dosierung.
- Schleich prägte die Lokalanästhesie durch subkutane Injektionen.
- Moderne Anwendungen umfassen i.v., s.c., intraossär und intraarteriell.
- Die Unterscheidung zwischen infusion und einmaliger Injektion ist medizinisch wichtig.
- Transfusion bezeichnet die gezielte Gabe von Blutbestandteilen.
Infusionstherapie verstehen: Definition, Abgrenzung und Anwendungsfelder
Infusion bedeutet die kontinuierliche Verabreichung flüssiger Medikamente oder Nährlösungen, meist parenteral, um stabile Wirkspiegel zu halten.
Infusion vs. Injektion vs. Transfusion: Begriffe, Unterschiede und Einsatz
Infusion ist eine laufende Gabe über Minuten bis Tage. Eine Injektion erfolgt einmalig und schnell. Transfusion bezeichnet ausschließlich die Gabe von Blut oder Blutbestandteilen.
- Infusion: flüssige Wirkstoffe, Träger-lösungen, parenterale Ernährung.
- Injektion: Bolusgabe für schnelle Wirkung.
- Transfusion: Blutprodukte.
Applikationswege und Indikationen: intravenös, subkutan, intraossär, intraarteriell
Der Standard ist die intravenöse Gabe. Subkutane Infusionen gewinnen in der Geriatrie und Palliativmedizin für ältere menschen an Bedeutung.
- Intravenös: Flüssigkeitsgabe, Volumenersatz, Osmotherapie.
- Subkutan: langsame, ambulante Anwendung bei Pflegebedürftigen.
- Intraossär: Notfälle, wenn Venen nicht zugänglich sind.
- Intraarteriell: spezifische, seltene Indikationen.
Periphere Venenkatheter genügen bei kurzzeitiger Therapie. Bei längeren Gaben, parenteraler Ernährung oder venenreizenden Substanzen sind zentrale Zugänge (ZVK/Port) erforderlich.
Geschichte der Infusionstherapie: Von frühen Experimenten bis zur klinischen Anwendung
Die frühen Experimente nach Harveys Entdeckung legten das Fundament für spätere klinische Eingriffe.
Frühe Meilensteine
1628 beschrieb William Harvey den Blutkreislauf. 1656 testeten Christopher Wren und Robert Boyle intravenöse Gaben an Tieren.
In Deutschland publizierten Major (1664) und Elsholtz (1667) erste Berichte zur Anwendung an menschen. Instrumente waren primitiv: Tierblasen und Klistierspritzen.
Vom Rückschlag zur Wiederentdeckung
Schwere Zwischenfälle führten zu einem Stopp der Praxis. 1776 setzte Köhler Brechweinstein ein, um einen Ösophagusfremdkörper zu entfernen.
“Bis zur ersten endoskopischen Entfernung durch Killian 1900 blieb dies eine Notlösung.”
Technischer Durchbruch: Pravaz 1853
Charles-Gabriel Pravaz entwickelte eine Metall-Spritze mit Schraubenkolben. Die neue technik erlaubte exakte Dosierung und direkten Gefäßeinstich.
- Pravaz verödete arterielle Aneurysmen mit Ferrum sesquichloratum.
- Die Innovation beeinflusste frühe operative chirurgie nachhaltig.
Subkutane Injektionen & Paraffin
1892 standardisierte Schleich die subkutane injektion für Lokalanästhesie, besonders in der HNO.
Um 1900 kamen Paraffininjektionen zur Gewebeauffüllung, später wegen Komplikationen durch Teflon, Silikon und Kollagen ersetzt.
Dieser Abriss zeigt, welcher teil historischer Entwicklung in aktuellen Lehr-auflagen weiterlebt. Weiterführende Informationen finden Sie im Überblick über die verschiedenen Arten.
Infusionslösungen und Technik: Entwicklung der Lösungen, Geräte und Verfahren
Vom einfachen Salzlösungsschlauch bis zur programmierbaren Pumpe: die technische Evolution formte die Behandlung.
Kristalloide und balancierte Vollelektrolytlösungen
Kochsalzlösung eignet sich vor allem als Spül- und Verdünnungslösung.
Isotonische Dehydratation ist eine typische Indikation.
Vollelektrolytlösungen wie Sterofundin, Jonosteril oder Ringer‑Laktat nähren das Plasma elektrolytisch besser.
Heute sind sie in der Klinik meist Standard.
Kolloide und Evidenz
Kolloide (HES, Dextrane, Gelatine, Albumin) erhöhen den kolloidosmotischen Druck und halten Volumen länger.
Risiken: Gerinnungsstörungen, Anaphylaxie und Nierenprobleme.
Systematische Auswertungen zeigen oft keinen Überlebensvorteil gegenüber Kristalloiden.
Glukose, Osmotherapeutika und parenterale Ernährung
Glukoselösungen liefern Energie, verteilen sich schnell intrazellulär; große Mengen können Ödeme fördern.
Mannit und Glycerin wirken osmotisch und helfen bei Ödemen oder Intoxikationen.
Mischbeutel (Aminomix, Nutriflex, SmofKabiven) decken die parenterale Ernährung ab.
Steuerung und Verabreichung
Schwerkraft, Druckmanschetten und Infusionspumpen erlauben abgestufte Kontrolle.
Die richtige technick und kompatible Leitungen mit Rückschlagventilen sichern kombinierte Systeme.
| Lösungstyp | Beispiele | Vorteile | Risiken |
|---|---|---|---|
| Kristalloide | Kochsalzlösung, Ringer‑Laktat, Sterofundin | breit verfügbar, günstig | Elektrolytverschiebung, begrenzte Volumenwirkung |
| Kolloide | HES, Gelatine, Albumin | längere Volumenwirkung | Gerinnung, Nierenrisiko, Anaphylaxie |
| Glukose / Osmotika | Glukose 5‑20%, Mannit, Glycerin | Energie, osmotische Wirkung | Ödeme, Elektrolytverschiebung |
| Mischbeutel (PN) | Aminomix, Nutriflex, SmofKabiven | komplett, individuell zusetzbar | Infektionsrisiko, Metabolische Komplikationen |
So erkennen Behandler, welche infusionen und lösungen in welcher Situation sinnvoll sind.
Eine transfusion bleibt dabei klar abgegrenzt.
Infusionstherapie heute in Deutschland: Bedeutung, Anwendung und Sicherheit
Anwendung in Chirurgie, Intensivmedizin, Onkologie und Geriatrie
In deutschen Kliniken steuern gezielte Flüssigkeits- und Medikamentengaben perioperative Volumentherapie, Kreislauf- und Organsupport sowie onkologische Supportivmaßnahmen.
Periphere Venenkatheter sind Standard bei kurzzeitiger Therapie. Für längerfristige behandlung oder venenreizende Substanzen sind zentrale Zugänge (ZVK/Port) zu wählen.
Subkutane Verabreichung gewinnt in der Geriatrie an Bedeutung, wenn Venen schwer zugänglich sind. Nicht alle Wirkstoffe eignen sich für diese Route; bei Kindern bleibt die intraossäre injektion eine schnelle Notfalloption.
Sicherheit und Risiken: Gerinnung, Anaphylaxie, Nierenfunktion, Einweisungspflichten
Risiken hängen von Lösungstyp und Volumen ab. Kolloide können Gerinnungsstörungen, anaphylaktische Reaktionen und akute Nierenschäden auslösen.
Große Mengen an Kristalloiden oder Glukose erhöhen das Risiko für Hirn- und Lungenödeme. Isotonische kochsalzlösung dient meist als Spül- und Verdünnungslösung; balancierte Vollelektrolyte sind in vielen Fällen Standard.
| Risiko | Ursache | Prävention / Maßnahme |
|---|---|---|
| Gerinnungsstörung | Kolloide (z. B. HES) | Alternative Lösungen wählen; Labormonitoring |
| Anaphylaxie | Allergene Inhaltsstoffe | Sofortbehandlung, Notfallset bereitstellen |
| Nierenfunktionseinfluss | Kolloide, hohe Volumenbelastung | Flüssigkeitsbilanz, Nierenmonitoring |
| Ödem | Große Kristalloid-/Glukosemengen | Volumenmanagement, klinische Überwachung |
Steuerung erfolgt per Schwerkraft, Drucksystem oder Pumpe. In Deutschland ist für pumpengesteuerte Geräte eine Einweisung nach MPBetreibV als feste auflage vorgeschrieben.
Praxistipp: PCA-Spritzenpumpen ermöglichen patientenkontrollierte Analgesie. Sorgfältige Dokumentation und verständliche Aufklärung schützen besonders vulnerable menschen und verbessern die Behandlungsqualität.
Fazit
Lernprozesse aus Rückschlägen führten zu klaren Standards, die heute Patientensicherheit sichern. Wer Praxis, Forschung und Lehre verknüpft, trifft fundierte Entscheidungen für jede einzelne behandlung.
Die richtige injektion und die Auswahl passender lösungen bestimmen Wirkung und Risiko. Kolloide sind nur bei klaren Indikationen sinnvoll, Kristalloide bleiben oft erste Wahl.
Technik und regulative auflage (z. B. Geräteeinweisung) erhöhen die Sicherheit. Die Abgrenzung zur transfusion bleibt wichtig, da Indikation und Überwachung unterschiedlich sind.
Kurz: Wer Historie, Pharmakologie und Gerätetechnik beachtet, wendet moderne Therapien gezielt und patientenorientiert an.

